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 Spiegelreflektion

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BeitragThema: Spiegelreflektion   Do Nov 13, 2008 4:13 pm



Ich bin in meinem Hotelzimmer. Ich habe die Vorhänge vor die Fenster zugezogen, um mich von der Aussenwelt abzuschneiden.

Die Aussenwelt voller Leuchelei, Hass, Neid, Gier.

Ich kann das alles nicht mehr ertragen.

Die einzige Lichtquelle ist eine Kerze, die mir rares Licht spendet.

Ich sitze auf dem Bett mit einer Flasche Wodka und warte. Ich versuche den Schmerz zu lindern und die Erinnerungen wegzuspülen.

Diese schmerzhaften Erinnerungen, die sich in mein Gehirn gebrannt haben, die mein Herz zerfetzen, die mich jede verdammte Nacht in Albträumen versinken und schweißgebadet, schreiend aufwachen lassen.

Du hast es nie gewusst, aber ich habe dich geliebt. Oh Gott, habe ich dich geliebt.

Mir hat jedes Mal das Herz geblutet, wenn ich mit ansehen wusste, wie er dich umarmt oder geküsst hat.

Er konnte all das und noch mehr tun, was mir immer verwehrt blieb.

Ich wollte dich, aber du hast in mir nie mehr als nur einen guten Freund gesehen.

Ich hatte die Wahl: Dich als gute Freundin zu akzeptieren oder dich für immer aus meinen Gedächtnis zu streichen.

Letzteres wäre auf lange Zeit unmöglich gewesen.

So habe ich mein Los gezogen und meine Liebe versteckt.

Ich habe jede einzelne Sekunde in deiner Nähe, mit dir genossen.

Es hätte für ewig sein sollen.

Vielleicht hättest du irgendwann hinter die Fassade geblickt und meine wahren Gefühle erkannt.

Vielleicht hättest du mir eine Chance gegeben.

Vielleicht...

Aber das Vielleicht wurde mir genommen. Das Vielleicht wurde dir genommen.

Ich sehe die Bilder jede Nacht, wenn ich meine Augen schließe und in die Tiefen meines Unterbewusstseins drifte.

Die Dunkeheit, die uns umgab, das gleichmäßige Surren des Motors. Die Lichter der entgegenkommenden Autos ließen mich dein wunderschönes Gesicht sehen.

Ich konnte dich nie lange genug ansehen.

Du musst es gewusst haben.

Wenn du nicht ganz blind warst, musst du es einfach gesehen haben, an den Blicken, wie ich dich jedes Mal vom Neuen voller Faszination angesehen habe.

Die schönste Frau, die je auf Gottes grüner Erde wandeln durfte.

Ich habe mir einen kurzen Seitenblick auf dich gegönnt, als ich den Schreck in deinem Gesicht sah.

Ich habe meinen Blick wieder auf die Strasse gewendet.

Die Scheinwerfer blendeten mich.

Ich war unfähig zu reagieren.

Unfähig auszuweichen.

Das entgegenkommende Auto prallte mit voller Wucht frontal in uns rein.

Ich hatte kurz das Bewusstsein verloren.

Ich wünsche mir oft, dass ich nie wieder aufgewacht wäre.

Ich verfluche jeden neuen Tag, an dem ich erneut aufwache.

Ich wünsche mir jede Nacht vom Neuen, dass ich einschlafe und nie wieder aufwache.

Dass ich nie wieder aufwache, mich stattdessen wieder mit dir vereinen kann.

Dein schönes Gesicht war mit Blut verschmiert.

Ich schmecke das warme Blut heute noch auf meinen Lippen.

Auf meinem Lippen, die Deine ein einziges Mal berührten.

Ich dachte ich könnte dich mit einem Kuss wieder ins Leben zurückholen.

Ich könnte mich wieder ins Leben zurückholen.

Ich lebe.

Aber wie?

Die Schuld in meinem Herzen.

Liebe für dich in jeder Faser meines Körpers.

Ich würde mein Leben geben, um dich wieder ins Leben zurückzuholen.

Ich hoffe du kannst mir irgendwann vergeben.

Meine Schuld, die mir jeder versucht auszureden.

Jeder, ausser der Mann, der dein Herz für sich gewonnen hatte.

Er weiß es.

Er kann mir nicht vergeben.

Ebenso wenig, wie ich mir vergeben kann.

Ein Blick zu meiner Linken und ich erhasche mich im Spiegel.

Ungewaschen, unrasiert. Das Bild überrascht, aber schockiert mich nicht.

Was ist nur aus mir geworden?

Das Leben übernimmt manchmal die Kontrolle und macht uns zu verachtenswerten Kreaturen.

Ich habe es nicht verdient zu leben.

Ich habe dein Leben beendet.

Ich habe es zugelassen, dass du diese Erde verlassen hast.

Meine Schuld...

Auch wenn alle Anderen sagen, dass es nicht meine Schuld war. Es war ein Unfall.

Ein Unfall, ja.

Nach ausreichend Zeit konnte ich mir das selbst einreden.

Aber wie lange kann man sich selbst belügen?

Wie lange kann ich mich verstecken?

Vor meinen Schuldgefühlen?

Ich hasse den Mann im Spiegel.

Ich höre, wie die Tür sich öffnet und wieder schließt.

Im Spiegel sehe ich einen Schatten vorbeihuschen.

Die Kerze erlischt.

Er ist gekommen.

Er ist gekommen, um sich seine Rache zu holen.

Mir wurde alles genommen, wie ich ihm alles genommen habe.

Ich höre seine Schritte, seinen schweren Atem, wie er langsam näher kommt.

Ich spüre den kalten Stahl auf meiner Haut.

Ein eiskalter Schauer durchfährt mich. Mein Herz schlägt wie wild. Mein Puls rast.

Ich bin nicht bereit.

Noch nicht.

Doch es ist zu spät.

Der Dolch durchtrennt meine Kehle mit einem einzigen Schnitt.

Ich sinke zu Boden.

LEERE.

_________________

Draco Dormiens Nunquam Tilillandus

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